Knut Wolfgang Nörr

Über das Geistige im Recht: ein Nachruf auf Helmut Coing

(aus: : Juristenzeitung 2001 Heft 9 S. 449-453, mit freundlicher Genehmigung des Autors und des Verlages)
 

Am 15. August 2000 ist Helmut Coing im Alter von 88 Jahren gestorben.

I. Karriere und Arbeitsgebiete

Helmut Coing gehört zu den großen Gestalten unter den Juristen des 20. Jahrhunderts. Er hatte sich früh für die universitär-akademische Laufbahn entschieden; er wäre aber in gleicher Weise befähigt gewesen, die Position eines Richters an den höchsten Gerichten oder eines Gesetzgebers im Sinne des Verfassers grundlegender Gesetzentwürfe einzunehmen. Der akademische Weg lief in gerader Linie auf die angesehensten Ämter zu, die in dieser Berufsbahn erreicht werden können: Universitätsrektorat (1), Vorsitz der Westdeutschen Rektorenkonferenz, Vorsitz des Wissenschaftsrats - an dessen Etablierung er maßgeblichen Anteil hatte - (2); die Max-Planck-Gesellschaft berief ihn zum Vizepräsidenten, der Orden Pour le mérite zu seinem Kanzler. Auch der Gremienvorsitz in Stiftungen wurde ihm übertragen (3). In einer Darstellung der bundesrepublikanischen Institutionen auf dem Gebiete der Wissenschaft würde man im Namensregister zum Eintrag Coing auf beträchtliche Zahlenreihen stoßen.

Das wissenschaftliche Arbeitsfeld Coings war weit gespannt. Dissertation und Habilitationsschrift befassten sich mit einem Thema aus der Rechtsgeschichte, nämlich der Rezeption des römischen Rechts im 16. Jahrhundert (erschienen 1935 bzw. 1939). Der Rechtsgeschichte schloss sich nach Kriegsende die rechtsphilosophische Betrachtung an mit den "Obersten Grundsätzen des Rechts", die beim Erscheinen 1947 einige Beachtung fanden. Im Jahr darauf begann eine Reihe von Aufsätzen, die sich mit Problemen der Währungsumstellung befassten. So hatte sich ein drittes Arbeitsfeld, das geltende Recht, aufgetan. Hier war Coing auch gutachtlich und als Schiedsrichter tätig (4). Hier führte er, seit 1953, aber auch das große Lehrbuch des Erbrechts von Theodor Kipp fort (5). Ferner übernahm er die Neubearbeitung des von Erwin Riezler verfassten Allgemeinen Teils für die 11. Auflage des "Staudinger"; für die 12. Auflage kam die Einleitung zum Gesamtkommentar hinzu (6). Von Monographien zum geltenden Recht ragt das Buch über die "Treuhand kraft privaten Rechtsgeschäfts" von 1973 hervor (7). Das Buch enthält auch rechtsvergleichende Kapitel: womit ein viertes Tätigkeitsfeld Coings angesprochen ist. Coing leitete zusammen mit Walter Hallstein und Heinrich Kronstein das Institut für Ausländisches und Internationales Wirtschaftsrecht an der Universität Frankfurt am Main. Gestaltend wirkte er auch an der Fachgruppe für Grundlagenforschung in der Gesellschaft für Rechtsvergleichung mit. Schließlich sei, fünftens, auf die über Jahrzehnte hinweg geführte Diskussion um eine Studienreform im allgemeinen und die Juristenausbildung im besonderen hingewiesen, an der sich Coing mit deutlich wahrnehmbarer Stimme beteiligte (8).

II. Das wissenschaftliche Werk

Im folgenden sollen drei Schwerpunkte gesetzt werden. Coing besaß - und die Tatsache allein unterschied ihn von den meisten Juristen seiner Zeit - eine ausgeprägte Vorstellung vom Gegenstand seiner wissenschaftlichen Beschäftigung, er hatte mit anderen Worten einen bestimmten Rechtsbegriff vor Augen. Der rechtsphilosophische Ansatz bildet daher den ersten der folgenden Schwerpunkte. Der zweite Schwerpunkt kann als das wissenschaftliche "Lebensprogramm" Coings umschrieben werden: sich der übergreifend-europäischen anstatt der grenzenhaft-nationalen Seite der Rechtsgeschichtsschreibung zu widmen. Es folgt ein dritter Abschnitt mit einem Blick auf das wirtschafts- oder ordnungspolitische Konzept Coings.

1. Rechtsphilosophie

Manche Wissenschaftler gelangen zum Begriff ihres Gegenstands erst nach Zweifeln und Kämpfen, anderen ergibt er sich sozusagen ohne Zögern und merkliches Widerstreben. Coing gehörte zur letzteren, der vielleicht glücklicheren Gruppe. Als er in der Endphase der Weimarer Republik sein Studium begann, war die alte positivistische Gewissheit in Auflösung begriffen; der Richtungs- oder Methodenstreit der Staatsrechtslehre bewegte die juristischen Gemüter. Coing entschied sich für das Staatsrecht im allgemeinen und die geisteswissenschaftliche Richtung im besonderen. Allerdings wuchs nach 1933 ein Staat heran, dessen Staatsrecht die politische Gefolgschaft zur Bedingung erhob, so dass sich mancher Jurist von diesem Fach abwandte und politisch neutralere Gebiete aufsuchte; in Coings Fall war es dann die Rechtsgeschichte. Aber das geisteswissenschaftliche Imprägnat blieb zeit seines Lebens erhalten, verstärkt noch und bestätigt durch die Rechtlosigkeit des Dritten Reichs.

Sein rechtsbegriffliches Credo hat Coing in der Schrift "Die obersten Grundsätze des Rechts: ein Versuch zur Neugründung des Naturrechts" von 1947 niedergelegt (9). Neugründung bedeutete hier die Abwendung vom vernunftbegründeten Naturrecht der Aufklärung; das neue Fundament sollte mit Hilfe der geisteswissenschaftlichen Methode gelegt werden. Seine Gewährsmänner waren Wilhelm Dilthey und Eduard Spranger und - in der Durchführung des Themas unter den Auspizien der materialen Wertethik - Max Scheler und Nicolai Hartmann. Von Juristen berief sich Coing auf Erich Kaufmann und Günther Holstein. Nicht aber auf Rudolf Smend (10), den Grund hierfür kann man nur vermuten: Smend hatte sich in seiner berühmten Abhandlung von 1928 um eine Neukonzipierung des Staatsgedankens besorgt gezeigt, der Rechtsgedanke berührte ihn fast oder gar nicht, Staatstheorie war ohne jede rechtstheoretische Einmischung zu entwickeln. War es die Absicht Coings gewesen, auf der ihn mit Smend verbindenden geisteswissenschaftlichen Grundlage die Gegenposition zu Smend unter dem Postulat des Rechtsgedankens zu entwickeln?

Zu den großen Gaben Coings gehörte es, die Lektüre nichtjuristischen Schrifttums auf zwingende Weise in rechtliche Fragestellungen umzusetzen. Entschloss er sich zur Publikation, dann gestaltete er sie häufig nach Art eines Dreischritts: Auf ein analytisches Referat folgte die Herausarbeitung der themenwesentlichen Gesichtspunkte, unter denen dann die juristische Fragestellung behandelt wurde. Dieses Muster kann man sich "leserfreundlicher" gar nicht vorstellen. Allerdings hat es sich Coing erst erarbeiten müssen. In den "Obersten Grundsätzen des Rechts" fehlten noch die beiden ersten Schritte (11). Jedoch die Geisteswissenschaft als Philosophie einschließlich der materialen Wertethik stellt ein ziemlich hermetisches Gebilde dar, das auch der theoretisierende Jurist sich erst entsiegeln und erschließen muss, vom Praktiker ganz zu schweigen, in dessen Hände aber Coing sein Buch ebenfalls gelegt wissen wollte. Geisteswissenschaft als Methode ist bekanntlich auch als Reaktion auf den monopolistischen Anspruch der Naturwissenschaft entstanden. Der Nachdruck lag insofern auf dem Wortteil "Wissenschaft": nicht im Sinn des Exakten als mathematisch Messbaren, jedoch in genauester, differenziertester, strengster Begriffs- und Kategorienbildung. Wenn aber die ersten zwei Schritte fehlen, kann das Moment der Wissenschaftlichkeit der Geisteswissenschaft nur undeutlich und unvollkommen zum Ausdruck gelangen. Es stellen sich stattdessen ungefähre Impressionen ein, als solche sicherlich richtig gezeichnet: Impressionen von einer Weltsicht in "ontologischer Affirmation", wie sie Coing einmal selbst charakterisiert hat (12), von der Möglichkeit, in diese Ontologie, ins Psychologische gewendet, das Rechtsgefühl einzufügen, von Apriorismen im Reich des Geistigen und Sittlichen, vom "Aufbau" der Welten, von einem Gleichlauf des Objekt- und Subjektiven: "daß aber eine vernünftige, dem Denken erfaßbare Struktur die geistige und die materielle Welt beherrsche, ist die unaufgebbare Grundhypothese aller Wissenschaft", hat Coing seine Sicht der Dinge später zusammengefasst (13). Unter der ontologischen Prämisse besteht kein Hindernis, die Ideengeschichte evolutionär im Sinne gewisser Unumkehrbarkeiten zu verstehen, weshalb sich der Rückgriff auf Elemente der aristotelisch-aquinatisch-grotianischen Denktradition durchaus mit dem Projekt einer "Neugründung des Naturrechts" vertrug. Von Grotius insbesondere (dessen De iure belli ac pacis er im Tornister mit sich trug, wie er mir einmal erzählte) hat Coing offenbar die Geschichte und die Vergleichung als hilfreiche Quellen der Erkenntnis des Naturrechts gelernt (14); hier traf er sich in gewisser Weise wiederum mit der Ontologie, diesmal ins Empirische gewendet, geisteswissenschaftlicher Herkunft. Einen kühneren Bogen schlug Coing, als er die geisteswissenschaftliche Methode mit der (von ihm auch als soziologisch bezeichneten) Interessenjurisprudenz Philipp Hecks und dessen Mitstreiter verknüpfte; hieraus entwickelte sich dann Coings Fassung der herrschend gewordenen Wertungsjurisprudenz (15). Geradezu enthusiastisch begrüßte er die Wiederentdeckung der Topik (16): als würde sie den Ruf vernommen haben, die letzten methodischen Zweifel, das leiseste argumentative Unbehagen an der Durchführung des geisteswissenschaftlichen Programms auszuräumen (17).

Coing hatte die "Obersten Grundsätze des Rechts", sein geisteswissenschaftliches Naturrecht, wie man in knappesten Worten sagen könnte, aus Neigung zur Sache, aus einem innersten Drang heraus geschrieben, aber auch mit dem Blick auf eine bestimmte geschichtliche Lage, auf die Auseinandersetzung mit dem vom Unrechtsstaat produzierten positiven Gesetz. Freilich konnte die Abhandlung nicht zeigen, wie sich die Grundsätze bis in die Einzelregelungen der Rechtsordnung auswirken würden (18). Doch bot sich die Gelegenheit hierzu an anderen Stellen, und zwar auf zweifache Weise. Zum einen konnten naturrechtliche Grundsätze und Gedankengänge zur Rechtsfortbildung beitragen. Hier setzte sich Coing für die Anerkennung des Allgemeinen Persönlichkeitsrechts ein, wobei er avant la lettre mit der "Drittwirkung" der Verfassung argumentierte, anfangs noch in Form der Landesverfassungen (19). Mit den Generalklauseln des bürgerlichen Rechts als Vehikeln richterlicher Rechtsfortbildung hat sich Coing wiederholt und in ganz konkreten bürgerlich- und handelsrechtlichen Fragestellungen beschäftigt; die naturrechtliche Färbung der Maßstäbe der guten Sitten und der bona fides wird nicht das letzte Motiv hierfür gewesen sein.

Ist es abwegig auszusprechen, dass man sich mit größeren Erwartungen dem zweiten Gesichtspunkt zuwendet, nämlich der kritischen Funktion des Naturrechts? Vor allem hier würden über die Theorie hinaus die praktischen Konsequenzen der neuen Lehre zu Tage treten. Es geht um das naturrechtswidrige Gesetz und die rechtlichen Konsequenzen aus seiner Befolgung. Da es nicht nur einen, sondern mehrere Maßstäbe der materiellen Gerechtigkeit gibt, verstößt ein Gesetz gegen Naturrecht nur dann, wenn es unter keinem nur denkbaren Gesichtspunkt zu rechtfertigen ist (20). Liegt dann aber keine lex, sondern bloße scriptura legis vor (21), so sind hierauf beruhende Hoheitsakte nicht unter Berufung auf das Gebot der Rechtssicherheit als wirksam zu deklarieren (22). Gegen das naturrechtswidrige Gesetz ist das Recht zum Widerstand gegeben; ob aber auch eine nicht nur sittliche, sondern rechtliche Pflicht, führt in Hinblick auf die daraus folgende Strafwürdigkeit zum Konflikt mit dem ebenfalls naturrechtlichen Grundsatz des nulla poena sine lege oder dem Rückwirkungsverbot (23). Das Dilemma löst sich sozusagen auf expressionistische Weise, indem ähnlich der Radbruch'schen Formel auf Intensitätswörter unserer Sprache wie "schroffe Verletzung", "besonders krass", "klar und besonders schwer" zurückgegriffen wird (24). Mit den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen konnte sich Coing allerdings - und nach alledem eher überraschend - nicht einverstanden erklären (25).

2. Europäische Rechtsgeschichte

Der Philosoph befindet sich doch wohl immer auf schwankendem Grund, der Historiker dann auf vergleichsweise festem Boden. Den einmal eingeschlagenen Weg, wenn seine Richtung überzeugt, kann er ohne größeres Abweichen und Sich-abhalten-lassen in Ruhe verfolgen. Als Coing das Gebiet der rechtsgeschichtlichen Forschung mit Untersuchungen zur Rezeption des römischen Rechts in Deutschland betrat, standen ihm zwei Wege offen: der Weg nationaler Geschichtsschreibung, soweit die Rezeption als Ereignis der deutschen Rechtsentwicklung aufgefasst wird, und der Weg einer europäischen Betrachtungsweise, weil die Rezeption auf dem Phänomen des mittelalterlichen ius commune beruht, einem an politische Grenzen grundsätzlich nicht gebundenen Phänomen. Coing hat, vielleicht noch unentschlossen in den 30er Jahren, sich nach dem Krieg für den europäischen Weg entschieden (26). Auf das nachdrücklichste bestätigt fand er sich durch den Forschungsansatz von Ernst Robert Curtius in dessen bleibendem Werk über die europäische Literatur und das lateinische Mittelalter: "Dem Gedanken der europäischen Literaturgeschichte entspricht die Idee einer europäischen Rechtsgeschichte", lautete die Folgerung, die Coing aus der Lektüre zog; und den Rechtshistorikern überall in Europa rief er zu, "Rechtsgeschichte als Juristen, nicht als Völkerpsychologen zu schreiben" (27). Die Besprechung liest sich wie der Nukleus eines Programms für das in den 1960er Jahren gegründete Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte, dessen Grundkonzeption auf Denkschriften und Verhandlungen Erich Genzmers beruht hatte (28). Der europäische Gesichtspunkt blieb natürlich nicht am Mittelalter haften29, sondern wurde auf die Neuzeit bis in das letzte Jahrhundert hinein ausgedehnt (30). Auch in den zahlreichen Aufsätzen zu Savigny ist der europäische Zusammenhang zu spüren; im übrigen vertraten in den national geprägten Perioden die Bestrebungen der Rechtsvergleichung und Rechtsangleichung das verbindend-europäische Element (31). Aus dem Max-Planck-Institut ging, von Coing in den Grundlinien konzipiert und auch mit Beiträgen zur Universitätsgeschichte ausgestattet, das vielbändige Handbuch der Quellen und Literatur der neueren europäischen Privatrechtsgeschichte hervor (32). Die Krönung der institutionen- und dogmengeschichtlichen Arbeit am europäisch-historischen Projekt bildeten dann die zwei umfangreichen Bände mit dem Titel Europäisches Privatrecht, die vom 16. bis zum 19. Jahrhundert reichen (1985 und 1989 erschienen). Zusammen mit den zwei Bänden von Emilio Bussi - La formazione dei dogmi di diritto privato nel diritto comune (1937 und 1939) - steht uns seitdem ein Gerüst der europäischen Privatrechtsgeschichte, verstanden als spezifisch juristische Rechtsgeschichte, zur Verfügung. Coing hat aber die europäische Rechtstradition nicht nur als wissenschaftlichen Gegenstand, sondern auch im politischen Zusammenhang betrachtet, also mit Blick auf die europäische Integration in Form des sich bildenden Gemeinschaftsrechts; "Von Bologna bis Brüssel" lautet der treffend-alliterierende Titel eines seiner Beiträge (33).

Über Methodenfragen hat sich Coing auch in den rechtshistorischen Arbeiten wiederholt geäußert (34). Befindet sich ja die juristische Methode gewissermaßen an der Schnittstelle zwischen der Rechtsphilosophie und allen anderen juristischen Disziplinen, die Rechtsgeschichte eingeschlossen. Die Methode wurde "subjektiv" (welche Methode soll der Rechtshistoriker anwenden?) und "objektiv" (welche Methoden haben die Juristen aller Perioden angewandt?) untersucht. Coing hat sich vorzugsweise von den großen Gestalten der Vergangenheit angezogen gefühlt, von Savigny etwa, aber auch von Bartolus. In der Abhandlung über die Anwendung des Corpus Iuris in den Consilien des Bartolus stoßen wir auf Beobachtungen von beeindruckender Treffsicherheit (35). Die mittelalterlichen Juristen haben die Texte, mit denen sie arbeiten und auf denen ihr Lehrgebäude beruht, weder historisch noch systematisch gelesen, ihnen also keine historischen oder systematischen Schranken gesetzt. Ohne solche Schranken aber sind die Texte fast unbegrenzt verwendbar. Durch diese Methode gewinnen die Juristen "eine eigentümliche Freiheit, verborgene Rechtsgedanken herauszufinden und für neue Probleme nutzbar zu machen". Vielleicht können wir hinzufügen, dass man sich bei der Beschäftigung mit der Legistik und Kanonistik stets die Doppelnatur des Textes vor Augen halten muss. Ein Text stellt einen Rechtssatz und zugleich ein Argument dar. Ist ein Fall zu lösen und dient der Text als Rechtssatz, dann kommt es zu all den Schritten eines Verfahrens, das uns Heutigen als Subsumtion geläufig ist. Dient der Text jedoch als Argument, dann beginnt er gewissermaßen zu vagabundieren und mit anderen "Vagabunden" eine bisweilen fast endlose Serie von Allegationen zu bilden, und zwar hüben wie drüben, so dass sich zwei Textkolonnen zur Schlacht bereit gegenüberstehen. Ist der Text Rechtssatz, dann kann man von einem vertikalen, ist er Argument, von einem horizontalen Aufbau des juristischen Denkvorgangs sprechen. Auch als Argument verkörpert der Text Autorität, aber in der responsio oder solutio kann er unterliegen und gegenüber anderen Autoritäten den Kürzeren ziehen.

3. Wirtschaftsordnung

Fragen des Wirtschaftsrechts oder der Wirtschaftspolitik standen nicht im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Tätigkeit Coings (36). Trotzdem teilte er - und auch das unterschied ihn von den meisten Juristen seiner Zeit - ganz bestimmte wirtschaftsverfassungsrechtliche Vorstellungen. Auf eine kurze Formel gebracht stand er dem Ordoliberalismus nahe. In den "Obersten Grundsätzen des Rechts" erwähnt er ausdrücklich die zahlreichen klärenden Gesprächen mit Franz Böhm, denen die Arbeit sehr viel verdanke (37). So wird unter dem dualistischen Aspekt der Gliederung in Gleichordnungs- und Unterordnungsverhältnisse die ordoliberale Kritik an dem Phänomen übernommen, dass das "klassische" Werkzeug der Gleichordnung: der Vertrag, in wirtschaftlichen Machtlagen zum Aufbau von Unterordnungsverhältnissen eingesetzt, also gewissermaßen uminstrumentiert wird. An das Wirtschaftsordnungsmodell Walter Euckens mit der Dichotomie von Verkehrs- und Zentralverwaltungswirtschaft stellt Coing die aristotelische Gerechtigkeitsfrage im Sinne der iustitia distributiva: Gerechtigkeit schlechthin könne keine der beiden Ordnungsformen herstellen; unabhängig hiervon wird jedoch der Staat, ähnlich den Erwägungen Euckens, zu gewissen Eingriffen in die Wirtschaft aufgefordert (38). Solche Eingriffe erfolgen auch unter dem Gesichtspunkt der iustitia protectiva, einer Kategorie, die Coing als dritte den zwei des Aristoteles hinzugefügt hat, wie dann am Beispiel rechtlicher Maßnahmen gegen Monopole und Kartelle gezeigt wird (39). Den Begriff der Wirtschaftsverfassung verstand Coing geisteswissenschaftlich im Sinn der Feststellung und Realisierung der obersten Rechtswerte, durch welche die Wirtschaftsordnung ihre Gestalt erhält (40).

Im einzelnen hat sich Coing wiederholt zur unterschiedlichen Funktion des Privatrechts je nach gegebener Wirtschaftsordnung geäußert: zur ordnungspolitischen Dependenz des Privatrechts, wie man sagen könnte (41). Beunruhigt hat ihn das wirtschaftliche Machtproblem (42) und hier, nicht zuletzt, die Macht der privaten Verbände (43). Er hielt jedoch daran fest, dass aus Machtlagen und Machtmissbräuchen keine Legitimation hergeleitet werden kann, die marktwirtschaftlich-privatrechtliche Ordnung grundsätzlich in Frage zu stellen. Als nach der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft das französische Wirtschaftsordnungsmodell auch diesseits des Rheins in manchen Kreisen auf Widerhall stieß und sich eine gewisse Planungseuphorie bemerkbar machte, verteidigte Coing die Position des Privatrechts und das Potential, das in ihm enthalten ist und das den direkten staatlichen Zugriff auch auf das Großunternehmen unnötig macht (44).
 

III. Züge der Persönlichkeit

Welches Thema aus welchem Bereich rechtswissenschaftlicher Forschung Coing auch immer behandelt hat: auf die Struktur der Darstellung und auf Stil und Sprache wandte er größte Sorgfalt an. Die Proportion des Ganzen war ihm wichtig, die Klarheit des Gedankens, die unmittelbare Vernünftigkeit der Botschaft, wie sie vernommen werden sollte. Coing hatte sich mit Vorliebe von der Geschichte der Architektur anregen lassen, von den in ihr wirkenden Ideen und ästhetischen Gesetzen. Daraus entsprang ein feines Gespür, eine Art architektonischen Gewissens, für die Realisierung eines Entwurfs, einer Idee, eines Konzepts, und dieses Gespür kam nun auf bemerkenswerte Weise den juristischen Abhandlungen zugute.

Allerdings haben Vorzüge von solchem Glanz ihren Preis. Ein luzider Stil setzt, genau betrachtet, einen luziden Gegenstand voraus; folglich sind all die Widersprüchlichkeiten und Disharmonien, ist das Quälend-Unvollkommene im Recht und seiner Geschichte in den Hintergrund zu drängen. Denn soll das Bild gefallen: muss ihm dann nicht die Wirklichkeit entgegenkommen? -
"Aber dann war da vor allem die Leichtigkeit, ja die Eleganz seiner Bewegungen, denen alles Hastige, Eckige, Unruhige fern war. Es war dieselbe Leichtigkeit, die seine Schriftzüge widerspiegelten, von denen man immer den Eindruck hatte, dass sie bei aller schönen Formung der Buchstaben im einzelnen, leicht auf das Papier geworfen seien. Dieser Leichtigkeit von Bewegung und Schrift entsprach übrigens die ruhige Eleganz seines Briefstils (...) In diesen äußeren Zügen prägten sich Geist und Charakter eines Menschen aus, der in sich ruhte, der frei war, weil er immer er selbst und mit sich im Gleichgewicht war."

Diese Worte schrieb Coing über Erich Genzmer (45). Sie waren seinem akademischen Lehrer gewidmet, können aber auch als kategoriale Kennzeichnungen gelesen werden: dann klingen sie wie das Porträt eines bestimmten Persönlichkeitstypus, eines Typus, dem sich Coing zugehörig und zugleich verpflichtet gefühlt hat, dessen Maßstäben er nachlebte, dessen Forderungen er erfüllte - auf glückhafteste Weise, wie es nur wenigen gegeben ist.

Anmerkungen

1)  Über die Ziele des Universitätsstudiums: vier Immatrikulationsreden, 1958.

2)  Die Gegenwart 11 (1956) 637; Forschung-Wissenschaft-Hochschulen, in: Erziehung, Bildung, Ausbildung: zur Kulturpolitik der CDU/CSU, 1961, 186; Der Wissenschaftsrat, Studium Generale 16 (1963) 224.

3)  Vorbildliche Wissenschaftsförderung: Fritz Thyssen-Stiftung, in: Der Volkswirt 16 (1962) 2604. Coing hat zweimal die Gerda Henkel-Vorlesung gehalten (1986: Grundlagen des modernen Privatrechts; 1991: Die Privatrechtswissenschaft im 19. Jahrhundert in Europa).

4)  Die Tätigkeit wurde von Publikationen begleitet, z.Bsp. der Einführung in den Sammelband Materielles Recht und Verfahrensrecht in der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit, 1972; oder im Beitrag zur Festschrift Heinz Hübner, 1984, über die Entwicklung des Schiedsvertrags im Ius Commune.

5)  Hierzu das Gutachten für den 49. Deutschen Juristentag, München 1972: Empfiehlt es sich, das gesetzliche Erbrecht und Pflichtteilsrecht neu zu regeln?

6)  Die Neubearbeitung des Allgemeinen Teils erschien 1954/57, die Einleitung 1978/80 und in Neubearbeitung für die 13. Aufl. 1995.

7)  Ergänzt durch spätere Abhandlungen, z.Bsp. Bemerkungen zum Treuhandkonto im deutschen Recht, Festschrift Ernst J. Cohn, 1975, 23; Treuhandverhältnis und abhängige juristische Person, Festschrift Winfried Werner, 1984, 101; Übernahme des Trusts in unser internationales Privatrecht?, Festschrift Theodor Heinsius, 1991, 79.

8)  Reform des juristischen Studiums, NJW 1955, 372; Die Ausbildung der Elite, Wirtschaft und Wissenschaft 47 (1962) 4; Bemerkungen zu dem Modellentwurf für die einstufige Juristenausbildung in Hessen, JuS 1973, 797; Ausbildung von Elitebeamten in Frankreich und Großbritannien, 1983; Europäisierung der Rechtswissenschaft, NJW 1990, 937.

9)  Die Abhandlung ist wenig später in die Grundzüge der Rechtsphilosophie aufgegangen, die ihrerseits mehrere wiederholt umgestaltete Auflagen erlebte, 1. Aufl. 1950, 2. Aufl. 1969, 3. Aufl. 1976, 4. Aufl. 1985; 5. (wenig geänderte) Aufl. 1993.

10) Smend wurde, soweit ersichtlich, zum ersten Mal erwähnt im Festvortrag vor dem 43. Deutschen Juristentag, München 1960: Rechtspolitik und Rechtsauslegung in hundert Jahren deutscher Rechtsentwicklung, B 13.

11)  Erst mit der 2. Aufl. der Grundzüge der Rechtsphilosophie von 1969 werden sie in einem gewissen Umfang nachgeholt.

12)  Über die Ziele des Universitätsstudiums, 1958, 46.

13)  Geschichte und Bedeutung des Systemgedankens in der Rechtswissenschaft, 1956, wiederabgedruckt in: Zur Geschichte des Privatrechtssystems, 1962, 28.

14)  Hugo Grotius, De iure belli ac pacis libri tres (ed. 1993), Prolegomena § 40; Lib. I, cap. 1, § XII.

15)   System, Geschichte und Interesse in der Privatrechtswissenschaft, JZ 1951, 481; Rechtspolitik und Rechtsauslegung (Fn. 10).

16)  Über einen Beitrag zur rechtswissenschaftlichen Grundlagenforschung, ARSP 41 (1954/55) 436; Die juristischen Auslegungsmethoden und die Lehren der allgemeinen Hermeneutik, 1959.

17)  Kritik sozusagen aus dem eigenen Haus kam von Eduard Spranger Universitas 3 (1948) 405.

18)  Die obersten Grundsätze des Rechts, 63 Fn. 1.

19)  Das Grundrecht der Menschenwürde, der strafrechtliche Schutz der Menschlichkeit und das Persönlichkeitsrecht des bürgerlichen Rechts, Süddeutsche Juristen-Zeitung (SJZ) 1947, 641; Der Rechtsbegriff der menschlichen Person und die Theorien der Menschenrechte, 1950, wiederabgedruckt in: Zur Geschichte des Privatrechtssystems, 1962, 56; Urteilsanmerkungen in JZ 1952, 689 und 1954, 700; Staudinger, BGB, 11. Aufl., vor § 1 Rn. 17 - 25; Zur Entwicklung des zivilrechtlichen Persönlichkeitsschutzes, JZ 1958, 558; Ehrenschutz und Presserecht, 1960.

20)  Mark gleich Mark, SJZ 1948, 131. Ein zweifelsfreies Beispiel: "Nach diesen Einschränkungen wird ein positives Merkmal für die Naturrechtswidrigkeit von Gesetzen in der Willkür-Absicht zu sehen sein, zum Beispiel in der Motivierung von Ausnahmegesetzen gegen bestimmte Bevölkerungskreise mit politischem Vernichtungswillen. Hier liegt zu Tage, daß das betreffende Gesetz nicht aus Verpflichtung gegen die obersten Rechtswerte, aus Gerechtigkeitswillen, sondern aus Machtstreben oder Haß geschaffen ist" (Die obersten Grundsätze, S. 152).

21)  Thomas von Aquin, zitiert in: Der Jurist und das unsittliche Gesetz (1965), Ges. Aufs. II 63.

22)  Urteilsanmerkung Deutsche Rechts-Zeitschrift 1947, 343. Zur Denunziation s. NJW 1951, 596; 1952, 1336.

23)  Zur Frage der strafrechtlichen Haftung der Richter für die Anwendung naturrechtswidriger Gesetze, SJZ 1947, 61.

24)  Die obersten Grundsätze des Rechts, 59, 61; Grundsätzliches zur Rückwirkung von Gesetzen, BB 1954, 141.

25)  Grundzüge der Rechtsphilosophie, 1950, 36 Fn. 3, 214 Fn. 4.

26)  AcP 150 (1949) 86, Rez. Hans Thieme, Das Naturrecht und die europäische Privatrechtsgeschichte; ZRG Rom. Abt. 69 (1952) 475, 488, Rez. Ernst Levy, West Roman Vulgar Law.

27)  ZRG Rom. Abt. 69 (1952) 531.

28)  Nachruf auf Erich Genzmer, ZRG Rom.Abt. 88 (1971) 581.

29)  Für den "Neuen Savigny" (IRMAe) verfasste Coing die Abschnitte Römisches Recht in Deutschland, 1964 - siehe hierzu auch La pre-recezione in Germania, Annali di Storia del Diritto 1959/60, 1 - und Repertorium und Bibliographie für die deutschen Universitäten bis 1500, 1966.

30)   Die europäische Privatrechtsgeschichte der neueren Zeit als einheitliches Forschungsgebiet, Ius Commune 1 (1967) 1; Die ursprüngliche Einheit der europäischen Rechtswissenschaft, 1968; Die Bedeutung der europäischen Rechtsgeschichte für die Rechtsvergleichung, Rabels Zeitschrift 1968, 1; Probleme der neueren Privatrechtsgeschichte, ZRG Rom. Abt. 92 (1975) 1; Die Bedeutung des Rechts in der neueren Geschichte Europas, in: Entstehung und Wandlung rechtlicher Traditionen, 1980, 755; Das Recht als Element der europäischen Kultur, HZ 238 (1984) 1. Siehe ferner die Vorträge oben Fn. 3.

31)  Rechtsvergleichung als Grundlage von Gesetzgebung im 19. Jahrhundert, Ius Commune 7 (1978) 160.

32)  Das Handbuch erschien in den Jahren 1973 bis 1988. Nicht publiziert wurde Band II Teilband 3, der die Darstellung des Einflusses des gemeinen Rechts in Rechtsgebieten anderer Tradition und die Entwicklung von Wissenschaft und Gesetzgebung unter dem Einfluss der Aufklärung enthalten sollte (angekündigt in II.1 p. XI). Zu beiden Themen hat Coing Vorarbeiten verfasst. Zu England: Richard Zouches Iuris et iudicii fecialis explicatio und seine Quellen, 1975, wiederabgedruckt in Ges. Aufs. II 289; Das Schrifttum der englischen Civilians und die kontinentale Rechtsliteratur in der Zeit zwischen 1550 und 1800, Ius Commune 5 (1975) 1; Common Law and Civil Law in the Development of European Civilization, in: Englische und kontinentale Rechtsgeschichte: ein Forschungsprojekt, 1985, 31. Zur Aufklärung: Das juristische Vorlesungsprogramm der Universität Padua im XVII. und XVIII. Jahrhundert, Festschrift Edoardo Volterra IV, 1969, 179; Die juristischen Fakultäten der Aufklärungszeit, Jahrbuch der Akad. d. Wiss. in Göttingen, 1970, 34; Zur Vorgeschichte der Kodification, in: La formazione storica del diritto moderno in Europa II, 1977, 797; L'insegnamento della giurisprudenza nell'epoca dell'illuminismo, in: L'educazione giuridica II, 1979, 104; Die Rechtsschulen der Aufklärung, Comparative Law Review [Chuo] 21 (1987).

33)  Gemeines Recht und Gemeinschaftsrecht in Europa, Festschrift Walter Hallstein, 1966, 116; Aufgaben der Rechtsvergleichung in unserer Zeit, NJW 1981, 2601; Von Bologna bis Brüssel: europäische Gemeinsamkeiten in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, 1989; Europäisierung der Rechtswissenschaft, NJW 1990, 937.

34)  Siehe vor allem Aufgaben des Rechtshistorikers, 1976.

35)  L'Europa e il diritto romano (Gedächtnisschrift Paul Koschaker), 1954, I 71. Der Aufsatz hat im Manuskript der Abhandlung Topik und Jurisprudenz (1953) von Theodor Viehweg vorgelegen (dort Fn. 116). Es sei daran erinnert, dass die topischen Verfahrensweisen an beide Funktionen des Textes anknüpften.

36)  Abhandlungen zum Wirtschaftsrecht befassten sich vor allem mit dem Recht der Banken und Bankgeschäfte, beispielsweise: Die Anleihe-Bedingungen der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, Festschrift Baron Louis Fredericq, 1966, 227; Rechtsformen der privaten Vermögensverwaltung, AcP 1967, 99; Le rôle des autorités publiques, des bourses et des banques dans la réglementation des émissions en Allemagne, in: Les émissions de titres de sociétés en Europe et aux Etats-Unis, 1970, 263; Probleme der internationalen Bankgarantie, ZHR 1983, 125.

37)  AaO S. 98 Fn. 2.

38)  AaO S. 110 f.

39)  AaO S. 111, 148.

40)  AaO S. 146 - 148. Hierher gehört auch die Kritik an Karl Geiler, in: Rechtspolitik und Rechtsauslegung (oben Fn. 10) Fn. 18. Zum Ganzen auch Grundzüge der Rechtsphilosophie, 1950, Vorwort und 6. Kap. V; 2. Aufl. 1969 4. Kap. VI. Siehe ferner Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaften, in: Das Verhältnis der Wirtschaftswissenschaft zur Rechtswissenschaft, Soziologie und Statistik (Schr.d.Vereins für Socialpolitik N.F. 33), 1964, 1.

41)  Urteilsanmerkungen JZ 1951, 112 und 335; Planwirtschaftliche Verträge, insbesondere Rüstungskredite, im Vertragshilfeverfahren, NJW 1953, 1326; Le rôle du droit privé dans une économie dirigée, in: Université Libre de Bruxelles, Faculté de Droit, Travaux et conférences, 1964, 55.

42)  Bemerkungen zum überkommenen Zivilrechtssystem, Festschrift Hans Dölle, 1963, I 25. Siehe auch die wettbewerbsfreundliche Stellungnahme zur Auslegungskontroverse um Art. 85 EWG-Vertrag, ZHR 1963, 271.

43)  Das Privatrecht und die Probleme der Ordnung des Verbandswesens, Festschrift Werner Flume, 1978, I 429.

44)  Einleitung in Planung V: Öffentlichrechtliche Grundlegung der Unternehmensverfassung, 1971, 9.

45)  ZRG Rom. Abt. 88 (1971) 583.

Knut Wolfgang Nörr, Tübingen